Dürre im Xurs-Tal: Lebensgrundlage von über 10.000 Menschen bedroht

Im Xurs-Tal bei Mêrdîn wird die Dürre zunehmend existenzbedrohend. Die historische Region lebt seit Jahrhunderten vom Tabakanbau. Heute versiegt die wichtigste Wasserquelle – und viele Bäuer:innen sehen keine Zukunft mehr auf ihrem Land.

Dürre trifft Tabakbäuer:innen in Qoser hart

Im Xurs-Tal, das zur Kreisstadt Qoser (tr. Kızıltepe) in der kurdischen Provinz Mêrdîn (Mardin) gehört, spitzt sich die Dürrekrise dramatisch zu. In dem etwa zwölf Kilometer langen Tal leben über 10.000 Menschen, verteilt auf 13 ländliche Siedlungen. Der Großteil der Bevölkerung lebt traditionell vom Tabakanbau, doch inzwischen droht die jahrhundertealte Lebensweise zu verschwinden.

In der Region, deren türkischer Name Yüceli lautet, herrscht extreme Trockenheit. Die wichtigste Wasserquelle des Tals, Serê Kanîyê, ist kurz davor, vollständig zu versiegen. Bäche wie der Çemê Zirganê, die das Tal mit Wasser versorgten und weiter bis in die Regionen Nord- und Ostsyriens flossen, sind erstmals in der Geschichte völlig ausgetrocknet.

Einst 17 Mühlen, heute 29 Brunnen

Früher gab es im Xurs-Tal laut Anwohner:innen 17 Wassermühlen – heute müssen die Menschen auf Bohrbrunnen zurückgreifen. Allein im Dorf Izêr wurden 29 Brunnen angelegt, um die Felder überhaupt noch bewässern zu können. Doch nicht alle Familien haben die Mittel, um solche Tiefbrunnen zu finanzieren.

Xelef Aslan, ein 47-jähriger Tabakbauer, berichtet von einer Dürre, wie er sie in seinem Leben noch nie erlebt hat: „Früher war Wasser nie ein Problem. Jetzt haben wir fast keins mehr. Wer es sich leisten kann, hat einen Brunnen gebohrt – aber nicht alle haben diese Möglichkeit.“

Die Situation verschärft sich zusätzlich durch tiefe Bohrungen in der benachbarten Kreisstadt Şemrex (Mazıdağı), wo industrielle Projekte und Bergbauvorhaben die Grundwasserspiegel im gesamten Gebiet absinken lassen. Für heute ist dort eine Protestkundgebung angekündigt.

Tabak als einzige Lebensgrundlage

Der Tabakanbau hat im Xurs-Tal nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Bedeutung. Der Xurs-Tabak gilt als besonders hochwertig – derzeit liegt der Kilopreis bei etwa 1.500 Türkischen Lira. Für viele Familien ist er die einzige Einnahmequelle.

Die Pflanzen werden ab dem 20. April gesetzt, Anfang September geerntet, getrocknet und anschließend manuell weiterverarbeitet. „Ohne den Tabak können wir hier nicht leben“, sagt Aslan. „Wer Tiere hält, hat vielleicht eine Alternative – aber das sind die Wenigsten.“

Viele Obstbäume seien bereits verdorrt, einige Bauern könnten ihre Felder gar nicht mehr bestellen. „Wenn es so weitergeht, sterben unsere Böden und mit ihnen unsere Existenz“, warnt Aslan.

Eine Region am Kipppunkt

Das Xurs-Tal, das einst verschiedene Zivilisationen beherbergte und zur fruchtbaren Mesopotamischen Tiefebene gehört, steht heute symbolisch für eine strukturell vernachlässigte Region, die zwischen Klimawandel, Wasserpolitik und wirtschaftlichem Druck zerrieben wird. Die Bewohner:innen sehen sich zunehmend auf sich allein gestellt. Die Frage, wie lange die Brunnen noch Wasser liefern werden, bleibt offen – ebenso wie die Perspektive für kommende Generationen im Tal.

Fotos © Emrullah Acar/MA