Bundesweite Frauenproteste gegen Gewalt und Patriarchat

Zum 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, demonstrierten in zahlreichen deutschen Städten Frauen gegen patriarchale Gewalt, staatliche Repression und Feminizide. Auch kurdische Frauen waren auf der Straße.

25. November

In zahlreichen deutschen Städten sind am Dienstagabend unzählige Frauen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen auf die Straße gegangen. Im Zentrum der Proteste standen die Forderungen nach einem Ende geschlechtsspezifischer Gewalt, nach politischer Anerkennung feministischer Kämpfe und nach entschlossenem staatlichen Handeln gegen Feminizide. Zu den Demonstrationen hatten verschiedene Frauenorganisationen und Initiativen aufgerufen, darunter auch die Kurdische Frauenbewegung in Europa (TJK-E), die internationalistische Kampagne Women Defend Rojava (WDR) sowie antikapitalistische, migrantische und linke Gruppen.

Berlin: Solidarität von Kurdistan bis Palästina

In Berlin versammelten sich mehrere hundert Frauen auf Initiative zahlreicher feministischer Gruppen, darunter Cênî, Jinên Ciwan, Gemeinsam Kämpfen, die AG „Trostfrauen“ im Korea-Verband und der ezidische Frauenrat. Vom ehemaligen Standort der im Oktober entfernten Friedensstatue Ari in Berlin-Moabit, die an Zwangsprostituierte im Zweiten Weltkrieg erinnerte, zogen die Demonstrant:innen in einem lauten Zug zum Widerstandsplatz gegen Feminizide im Wedding.


Die Teilnehmenden solidarisierten sich mit feministischen Bewegungen weltweit – von Palästina bis Kurdistan, vom Kongo bis in die Ukraine. In Redebeiträgen wurden Militarismus und patriarchale Staatlichkeit als Ursachen geschlechtsspezifischer Gewalt benannt. Die Losung „Jin, Jiyan, Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit) war durchgängig zu hören.

Frankfurt: Mahnwache für Opfer von Feminizid

In Frankfurt wurde der Protest vom Verband der Frauen aus Kurdistan (YJK-E) organisiert. Vom Willy-Brandt-Platz führte ein Demonstrationszug bis zum Südbahnhof. Mit Transparenten wie „Euer Krieg ist unser Blut“ und Kerzen erinnerten die Teilnehmer:innen an durch Männergewalt getötete Frauen.


In Reden kritisierten Organisationen wie TekoJin und ADKH das Fortbestehen patriarchaler Strukturen. Die systematische Entrechtung von Frauen weltweit sei Ausdruck eines staatlich und wirtschaftlich getragenen Machtapparats, hieß es. Freiheit für alle sei nur mit freien Frauen möglich.

Freiburg: „Staatliche Heuchelei sichtbar machen“

In Freiburg versammelten sich Hunderte auf dem Augustinerplatz. Redner:innen kritisierten, dass Staaten sich zwar öffentlich gegen Gewalt an Frauen positionierten, gleichzeitig aber feministische Bewegungen – etwa in Rojava – militärisch angriffen oder politische Akteurinnen kriminalisierten. Die diesjährige Deklaration der TJK-E zum 25. November wurde in mehreren Sprachen verlesen. Sie betont: „Gewalt gegen Frauen ist eine Frage der patriarchalen, staatlich-militaristischen Denkweise.“


Darmstadt: Feministische Gruppen rufen zu Widerstand auf

In Darmstadt rief ein Bündnis feministischer Gruppen zu einer Kundgebung mit anschließender Demonstration auf. Auf dem Luisenplatz fanden Reden und Performances statt, gefolgt von einem Marsch durch die Innenstadt. Auch hier dominierte der Ruf „Jin, Jiyan, Azadî“, aber auch „Gemeinsam kämpfen – gemeinsam widerstehen“.

Mannheim: Trauer um Dilan Aras

In Mannheim gedachten mehrere hundert Demonstrierende der kürzlich ermordeten Dilan Aras. Die junge Kurdin war in Ludwigshafen von ihrem Ehemann getötet worden. Aufgerufen hatten Die Linke Mannheim und die FLINTA-Plattform.

Auf dem Marktplatz hielten Angehörige und Aktivist:innen bewegende Reden. Neben Aras wurde auch Rojin Kabaiş aus Wan gedacht sowie weiteren bekannten Opfern patriarchaler Gewalt, darunter Jina Amini und die Mirabal-Schwestern. Gewerkschaften, Migrantenvereine und antifaschistische Gruppen unterstützten die Veranstaltung. Die Kundgebung endete mit lauten Slogans und Solidaritätsrufen.