Demonstration zum 25. November
Zum ersten Mal ist in Çewlîg (tr. Bingöl) ein Nachtmarsch zum 25. November abgehalten worden. Organisiert von der örtlichen Frauenplattform versammelten sich Teilnehmerinnen im Zentrum der nordkurdischen Stadt, um unter dem Motto „Für ein gewaltfreies freies Leben in einer demokratischen Gesellschaft“ gegen Femizide, strukturelle Gewalt und staatliche Straflosigkeit zu protestieren.
Die Demonstration war kraftvoll, entschlossen und symbolisch aufgeladen. Viele Frauen trugen weiße Tücher als Symbol für Frieden. Vor einem großen Einkaufszentrum mündete der Marsch in eine Abschlusskundgebung. In einer Erklärung betonte Gamze Nur Aslan, Sekretärin der Bildungsgewerkschaft Eğitim Sen und Sprecherin der Frauenplattform, die Bedeutung des 25. November als Ausdruck kollektiver Erinnerung und politischer Verantwortung:
„Von den Mirabal-Schwestern bis heute knüpfen wir an eine Geschichte des Widerstands an. Wir schaffen ein freies, gewaltfreies Leben – gemeinsam, in einer demokratischen Gesellschaft.“ Aslan sprach von der Notwendigkeit, der allgegenwärtigen Gewalt mit einer langfristigen Organisierung zu begegnen: „Die Wut über die getöteten Frauen und die Hoffnung auf Frieden in dieser Region begleiten uns an diesem Tag – und an jedem Tag.“
Besonderes Gewicht erhielt die Demonstration durch die Worte von Şevval Tüker, Vertreterin der lokalen Kommission „Gerechtigkeit für Rojin Kabaiş“. Sie erinnerte an die hohe Zahl an Femiziden sowie verdächtigen Todesfällen von Frauen und nannte die Namen von Rojin Kabaiş, Gülistan Doku und Şule Çet.
„Wir wissen, dass Rojin nicht freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Es ist unser gemeinsamer Protest, unsere Ausdauer, unsere Präsenz auf Plätzen, an Universitäten, auf der Straße, die die Wahrheit ans Licht bringt.“ Tüker rief dazu auf, den Kampf für Gerechtigkeit zu intensivieren: „Was wir erreicht haben, ist ein Erfolg des Widerstands. Aber es ist nicht genug. Unser Kampf muss größer werden als je zuvor.“
Gewalt gegen Frauen und Straflosigkeit
Der Frauennachtmarsch in Çewlîg reiht sich ein in eine landesweite Protestwelle zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Auch in Çewlîg wächst der Unmut über staatliche Untätigkeit in Fällen von Femiziden und über eine öffentliche Darstellung, die viele Morde als Suizide verschleiert. „Mit dieser Demonstration machen wir deutlich, dass unsere Forderungen nach Gerechtigkeit, Schutz und gesellschaftlichem Wandel nicht verstummen werden“, so Tüker abschließend.