Gedenken in Katlenburg-Lindau am Tag gegen Gewalt an Frauen

In Katlenburg-Lindau, in der Nähe des südniedersächsischen Göttingen, hat anlässlich des 25. Novembers ein öffentliches Gedenken für die Opfer von Feminiziden und patriarchaler Gewalt stattgefunden. Ein Rundgang hat zudem Raum für Austausch geboten.

„Gemeinschaft hilft“

Das Netzwerk gegen Femizide Göttingen hat anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen zu einem Gedenken in Katlenburg-Lindau eingeladen. Das Gedenken an der St. Johannis Kirche ist den Opfern und Überlebenden von Femiziden in der südniedersächsischen Region, in Deutschland und weltweit gewidmet worden.

Besondere Aktualität erhielt das Thema durch die Tötung einer Frau durch ihren Partner in der Gemeinde im Juni dieses Jahres. Die Gedenkveranstaltung bot einen Rahmen in dem Angehörige der Getöteten, Nachbarinnen und weitere Menschen aus der Umgebung zusammenkommen und erinnern konnten.

„Wo wir Räumen für gemeinsames Trauern und Verbinden schaffen, verlieren Scham und Ohnmacht, die patriarchale Gewalt erzeugt, an Kraft“, so Joleen Friedrichs vom Netzwerk gegen Femizide. „Gemeinschaft ist der stärkste Gegenpol gegen Angst und Isolation.“

Umfassende und systematische Gewalt

Das Netzwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Gewalt gegen Frauen zu sprechen. Statistiken zeigen, dass diese Gewalt zunimmt. Tatsächlich wird in Deutschland nahezu täglich eine Frau oder ein Mädchen von einem Mann ermordet. Meistens sind die Täter Partner oder Ex-Partner der Frau.

Diese Morde sind keine Einzelfälle. Auch vielzählige andere Formen von Gewalt, die Frauen im eigenen Zuhause oder in der Öffentlichkeit erleben (zum Biespiel vom Partner kontrolliert oder geschlagen zu werden, Belästigung auf der Straße und am Arbeitsplatz), sind tief in allen Teilen unser Gesellschaft verankert.

Zusammenhalt als Selbstverteidigung

„Dem wollen wir entgegentreten! Wenn Frauen einander kennen, stärken und begleiten, entsteht ein Umfeld, indem Gewalt weniger Raum hat. Deswegen wollen wir uns für Frauenvernetzung engagieren, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land“, sagte Pauline Baier vom Netzwerk gegen Femizide am Rande des Gedenkens.

Bei einem Rundgang durch die Dörfer Gillersheim und Katlenburg wurden Gespräche mit den Anwohnenden geführt. Hierbei stand vor allem der Austausch über Erfahrungen, Bedürfnisse und Sorgen der Nachbarschaft in Bezug auf alltägliche Gewalt gegen Frauen im Fokus. „Die Verschiedenheit der Perspektiven hat wieder gezeigt, patriarchale Gewalt ist kein privates Problem, sondern betrifft ganze Gemeinschaften und kann deswegen auch nur gemeinsam bekämpft werden.“ erklärte Joleen Friedrichs resümierend.