„Gemeinsam Kämpfen“ bundesweit an Aktionen gegen patriarchale Gewalt beteiligt

Zum 25. November haben lokale Gruppen der feministischen Organisierung Gemeinsam Kämpfen gemeinsam mit Bündnispartner:innen in vielen Städten Proteste gegen Feminizide, patriarchale Gewalt und staatliche Repression auf die Straße gebracht.

Laut, solidarisch und internationalistisch

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen und Mädchen hatte die feministische Organisierung „Gemeinsam Kämpfen – Für Selbstbestimmung und Demokratische Autonomie“ an zahlreichen Orten in Deutschland zu Protesten aufgerufen. Lokale Gruppen sowie regionale Netzwerke gegen Feminizide mobilisierten unter dem gemeinsamen Motto „Patriarchat entwaffnen – Frieden schaffen“ und forderten ein Ende struktureller, staatlicher und geschlechtsspezifischer Gewalt. In Städten wie Jena, Celle, Köln, Hannover, Berlin, Bremen und Kassel folgten insgesamt rund 6.000 Menschen dem Aufruf.

„Wir setzen uns zur Wehr“ – Selbstverteidigung als feministische Praxis

Die Organisierung versteht ihre Aktionen auch als aktive Form feministischer Selbstverteidigung. Der Widerstand richte sich nicht nur gegen individuelle Gewalt, sondern auch gegen eine politische Gesamtentwicklung, die in Aufrüstung, Wehrpflichtdebatten und autoritären Tendenzen Ausdruck finde – Entwicklungen, die laut Gemeinsam Kämpfen eng mit Feminiziden und anderen Unterdrückungsformen verknüpft seien.


„Weltweit kämpfen Frauen, Trans-, Inter- und nicht-binäre Personen gegen die Gewalt, die ihnen widerfährt – und auch wir tun das“, erklärte die Organisation. „Kriege treffen insbesondere Frauen: Sie verlieren Lebensgrundlagen, werden durch sexualisierte Gewalt und feminizidale Politik angegriffen und ausgelöscht. Jeden Tag ein Feminizid – und der deutsche Staat schaut weg. Statt in Schutz und Gerechtigkeit wird in Kriege investiert. Kriege, die nichts anderes sind als Besitz, Kontrolle und Machtausübung – das Patriarchat in Reinform. Wir nehmen das nicht hin. Wir setzen uns zur Wehr. Wir finden eine gemeinsame und aktive Form der Selbstverteidigung.“

Eine Aktivistin betonte die Bedeutung dieser Haltung auch mit Blick auf die Situation in Deutschland: „Alle – vor allem junge Frauen – erleben täglich Angriffe durch ein System, das Gewalt in sich trägt. Der sogenannte Spezialkrieg zeigt sich in Catcalling, Belästigung auf der Straße oder in patriarchalen Schönheitsnormen, die durch soziale Medien weiter verstärkt werden. Diese Angriffe führen oft zum Rückzug ins Private – scheinbar sichere Orte, die sich jedoch als Teil einer Strategie entpuppen: Isolation soll ohnmächtig machen und Widerstand verhindern.“

Solidarität mit Frauen im Sudan

Mehrere Demonstrationen thematisierten auch die dramatische Lage von Frauen im Sudan. Dort eskaliert die Gewalt im Zuge des andauernden Kriegs: Rund 25 Millionen Menschen sind von Hunger bedroht, Krankheiten wie Cholera brechen aus, Infrastruktur wie Strom- und Wasserversorgung bricht zusammen. Wie in vielen Kriegen trifft die Gewalt Frauen besonders hart. Massenvergewaltigungen, Verschleppungen und sexuelle Versklavung sind Teil einer gezielten Kriegsstrategie.

„Diese strategische Gewalt soll insbesondere jene treffen, die an vorderster Front kämpfen – mutige sudanesische Frauen, die sich organisieren“, so eine Aktivistin. Gemeinsam Kämpfen beteiligte sich mit Solidaritätsbotschaften an der Kampagne #TalkAboutSudan, um die Situation dieser Frauen sichtbar zu machen.

Organisierung lokal und global für Frieden

In vielen Redebeiträgen betonten die Aktivist:innen die Bedeutung einer gelebten Praxis der Solidarität als Antwort auf Krieg, patriarchale Gewalt und Feminizide. Frieden bedeute nicht lediglich die Abwesenheit von Krieg, sondern auch Freiheit, Selbstbestimmung und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Er könne nicht durch Staaten garantiert werden, sondern müsse täglich neu durch aktive Solidarität entstehen, so der Tenor der Beiträge.

„Unsere Antwort ist auch Selbstverteidigung“, hieß es abschließend in einer gemeinsamen Erklärung. „Denn jeder Angriff auf eine von uns ist ein Angriff auf unsere Solidarität. Deshalb organisieren wir uns – lokal und global – und verweben unsere Kämpfe zu einem Netz aus Vertrauen, Fürsorge und internationalistischer Solidarität.“

Kundgebung in Jena: Platz der Mutigen

In Jena versammelten sich am Abend mehr als hundert Menschen zu einer Kundgebung gegen patriarchale Gewalt. Eingangs wurde auf eine landesweite Demonstration in Erfurt am vergangenen Samstag verwiesen. Das lokale Antifeminizidnetzwerk stellte sich vor und erläuterte seine Struktur sowie seine Arbeit.

In künstlerischen Beiträgen – darunter Lieder, Reden, ein Poetry-Slam und Performances – brachten die Teilnehmer:innen Wut und Trauer über patriarchale Gewalt zum Ausdruck. Die Redebeiträge thematisierten unterschiedliche Lebensrealitäten, insbesondere von Frauen und TINA-Personen (Trans, Inter, Nicht-binär und Agender), etwa auf der Flucht, mit Behinderung oder in gebärender Funktion – Gruppen, die auf vielfältige Weise von patriarchaler Gewalt betroffen sind.

Im Anschluss legten Teilnehmende Kerzen und Rosen nieder – zum Gedenken an alle Frauen und TINA-Personen, die Gewalt erfahren haben oder getötet wurden.

Zum Abschluss wurde der Ort der Kundgebung symbolisch in „Platz der Mutigen“ umbenannt – als Zeichen des Gedenkens und als Ort, an dem im Falle eines Feminizids solidarisch zusammengekommen werden soll. Die Bedeutung kollektiven Handelns und gegenseitiger Unterstützung wurde dabei besonders hervorgehoben. Ein Chorauftritt beendete die Veranstaltung musikalisch.

Celle: Lichterdemo für Solidarität und Selbstverteidigung

In Celle versammelten sich am frühen Abend Aktivist:innen zu einer Kundgebung mit anschließender Lichterdemo durch die Innenstadt. Der Auftakt fand um 17:30 Uhr auf dem nach der antifaschistischen Widerstandskämpferin Gertrud Schröter benannten Platz statt. Aufgerufen hatte ein breites Bündnis, an dem neben Gemeinsam Kämpfen auch der ezidische Frauendachverband SMJÊ und lokale Gewerkschaften beteiligt waren.

In den vielfältigen Redebeiträgen wurde das zunehmende Ausmaß patriarchaler Gewalt in all ihren Erscheinungsformen thematisiert. Die Teilnehmenden machten deutlich, dass sie diese Realität nicht widerstandslos hinnehmen wollen. Vielmehr sei das Ziel, schädliche gesellschaftliche Strukturen zu verändern und kollektive Selbstverteidigung aufzubauen.

Besonders hervorgehoben wurde die Verbindung von internationaler Solidarität und lokaler Vernetzung. Die Aktion verstand sich zugleich als Protest, als Raum für Visionen alternativer Gesellschaftsformen und als Gedenken an die Opfer patriarchaler Gewalt. Zum Abschluss der Veranstaltung tanzten die Teilnehmenden gemeinsam unter Anleitung von Vertreterinnen des ezidischen Frauendachverbands – als Ausdruck von Zusammenhalt, Lebendigkeit und Widerstandskraft.

Köln: 2.800 Menschen demonstrieren gegen Feminizide

In Köln gingen am Abend rund 2.800 Menschen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen auf die Straße. Gemeinsam Kämpfen Köln beteiligte sich im Rahmen des Bündnisses „Wir wollen uns lebend – Netzwerk gegen Femi(ni)zid und geschlechtsspezifische Gewalt“ an der Demonstration.

Ein zentraler Bestandteil des Protests war ein gemeinsam gestalteter leerer Block – er symbolisierte den Raum für all jene, die aufgrund von Gewalt, Haft, Abschiebung oder Ermordung nicht anwesend sein konnten. In einer Erklärung hieß es: „Wir sind in Gedanken bei allen ermordeten, gefangenen, abgeschobenen und von Gewalt betroffenen FLINTA*, die heute nicht hier sein können.“

Für den 2. Dezember kündigten die Organisator:innen eine weitere Demonstration unter dem Motto „Von Trauer zu Wut zu Mut – Auf die Straße gegen Feminizide“ an. Der Protestzug wird um 18:00 Uhr im Leo-Amman-Park beginnen – an der Gedenkbank für Fatiha und alle in Köln-Ehrenfeld ermordeten Frauen.

Hannover: „Frauenhäuser statt Panzer!“

In Hannover versammelten sich rund 400 Menschen am Abend auf dem Opernplatz, um anlässlich des 25. November unter dem Motto „Frauenhäuser statt Panzer! Stoppt die Kürzungen! Wir kämpfen bis zur Selbstbestimmung!“ zu demonstrieren. In zahlreichen Redebeiträgen wurde ein breites Spektrum an feministischen Forderungen sichtbar gemacht. Zu Wort kamen Vertreter:innen des Frauen-Mädchen-Gesundheitszentrums, des kurdischen Frauenrats Ronahî, von Women Defend Rojava, der Jungen Frauenkommune, von Gemeinsam Kämpfen sowie eine obdachlose Frau, die ihre Perspektive teilte. Weitere Redner:innen ergänzten das Bild eines vielfältigen feministischen Protests.

Zentrale Forderungen der Veranstaltung waren:

– Ausbau statt Kürzungen im Bereich Schutz und Prävention

– Vergesellschaftung von Sorge- und Reproduktionsarbeit

– Ablehnung einer allgemeinen Wehrpflicht

– ein selbstbestimmtes Leben für alle

– Stopp von Abschiebungen und Verschärfungen des Asylrechts

Künstlerische Beiträge prägten die Demonstration ebenso wie politische. Der feministische Butjer-Chor sang Lieder der historischen und aktuellen Frauenbewegung. Poetry-Slams und Performances gaben Raum für kreative Ausdrucksformen – darunter auch „Un violador en tu camino – Ein Vergewaltiger auf deinem Weg“ vom chilenischen Kollektiv Las Tesis, das weltweit bekannt wurde für seine Anklage patriarchaler Staatlichkeit.

Die Demonstration war Höhepunkt einer Vielzahl von Aktionen und Veranstaltungen, die in den Wochen zuvor in Hannover stattgefunden hatten. Eine Teilnehmerin resümierte: „Die Demonstration heute hat die Trauer und Wut von Hannovers feministischer Bewegung in Widerstand verwandelt – und gebündelt auf die Straße gebracht.“

Berlin: Gegen Feminizide, Militarismus und koloniale Kontinuitäten

In Berlin beteiligten sich über 500 Menschen an einer Demonstration unter dem Motto „Your war – our blood!“. Aufgerufen hatte ein internationalistisches Bündnis lokaler Gruppen, darunter der Kurdische Frauenrat, der Korea-Verband, das Netzwerk gegen Feminizide, United for Sudan, das Stadtteilkomitee Wedding sowie Gemeinsam Kämpfen.

Im Zentrum des Protests standen die Zusammenhänge zwischen Feminiziden, Militarisierung, patriarchaler Gewalt und kolonialen Kontinuitäten. „Patriarchale Gewalt betrifft uns nicht nur auf den Straßen Berlins, sondern wird auch als Kriegswaffe in staatlichen Konflikten eingesetzt – in Palästina, im Kongo, in Kurdistan und im Sudan“, erklärte eine Aktivistin.


Der Demonstrationszug begann am Aris Platz – dem früheren Standort der „Friedensstatue Ari“. Die Statue erinnerte an die sogenannten „Trostfrauen“, die während des Zweiten Weltkriegs von der japanischen Armee systematisch sexualisiert versklavt wurden. Sie war erst vor wenigen Wochen auf Druck der japanischen Botschaft entfernt worden. Für die Demonstrierenden steht Ari symbolisch für die Widerstandskraft überlebender Frauen gegen patriarchale Gewalt.

Ziel der Demonstration war der Martha-Ndumbe-Platz, der bis Oktober 2025 den Namen eines deutschen Kolonialisten trug. Die Umbenennung erfolgte zu Ehren von Martha Ndumbe, einer Schwarzen deutschen Widerstandskämpferin, die 1945 im KZ Ravensbrück ermordet wurde. Der Platz gilt heute als „Widerstandsplatz gegen Feminizide“ – und wurde von den Teilnehmer:innen als Ort feministischer Erinnerungskultur und antirassistischer Solidarität betont.

Bremen: 1.500 Menschen demonstrieren vielfältig und kämpferisch

In Bremen beteiligten sich rund 1.500 Menschen an einer kraftvollen Demonstration gegen patriarchale Gewalt und Feminizide. Organisiert wurde die Aktion von einem breiten Bündnis aus kurdischen, afghanischen und iranischen Diaspora-Gruppen sowie internationalen feministischen Kollektiven.

Die Demonstration spiegelte die Diversität des Bündnisses auch in ihrer Ausdrucksform wider: Transparente mit Aufschriften wie „Jeden Tag ein Feminizid – das ist Krieg“ oder „Nur Ja heißt Ja“, Schilder mit den Namen ermordeter Frauen sowie Botschaften von jungen Hebammen, die ein Ende der Gewalt in Kreißsälen forderten, prägten das Bild.

Ein besonderes Zeichen setzten die großformatigen, gemeinsam geknüpften Netzinstallationen der Kampagne Women Defend Rojava. Die emotionalen Redebeiträge verbanden Wut mit Entschlossenheit und stärkten das Gefühl kollektiven Widerstands.

Kassel: Gedenken, Protest und 7.000 Aufschreie

In Kassel versammelten sich am Platz der widerstandleistenden Frauen rund 450 Menschen zu einer Gedenkveranstaltung und anschließenden Demonstration. Aufgerufen hatte das Kasseler Frauenbündnis, dem unter anderem die Initiative gegen Feminizide Kassel, das Kasseler Frauenhaus, die Junge Frauenkommune Kassel und Gemeinsam Kämpfen angehören.

Im Zentrum der Veranstaltung stand das Gedenken an alle in diesem Jahr ermordeten Frauen und TINA-Personen. Besonders bewegend war der Beitrag der besten Freundin einer Frau, die 2025 in Kassel durch ihren Partner getötet wurde. Sie sagte: „Solange Frauen und TINA-Personen ermordet werden, gibt es keine Gerechtigkeit.“

Begleitet wurde die Demonstration von der Aktion #7000Aufschreie: In den vergangenen Monaten hatten Aktivist:innen Girlanden mit Slogans wie „Stoppt Gewalt an Frauen und Queers“, „Jin, Jiyan, Azadî“ und „Ni Una Menos“ in der Stadt aufgehängt. Diese begleiteten auch den Protestzug am 25. November.

In zahlreichen Redebeiträgen wurde die Verbindung zwischen patriarchaler Gewalt und Krieg thematisiert, ebenso wie die Lage in Frauenhäusern und die Notwendigkeit dauerhafter, internationaler Vernetzung. Die Demonstration endete lautstark und entschlossen vor dem Kasseler Rathaus – mit der klaren Botschaft: Die wirksamste Waffe gegen patriarchale Gewalt ist die gemeinsame, internationalistische Organisierung.