Protestmarsch der kurdischen Frauenbewegung auf dem Weg nach Ankara
Mit einem lautstarken Protestmarsch hat die Bewegung freier Frauen (TJA) in der südtürkischen Stadt Mersin ihre mehrtägige Demonstration unter dem Motto „Mit Hoffnung für die Freiheit“ am Sonntag fortgesetzt. Ziel der Initiative ist es, auf die fortdauernde Isolationshaft des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan aufmerksam zu machen und dessen Freilassung zu fordern.
Die Demonstration hatte vor fünf Tagen in Amed (tr. Diyarbakır) begonnen und soll ihren Höhepunkt am Dienstag in der Hauptstadt Ankara finden. In Mersin versammelten sich am späten Nachmittag hunderte Aktivistinnen im Friedenspark, begleitet von Parolen wie „Jin, Jiyan, Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit) und „Kein Leben ohne Öcalan“. Empfangen wurden die Teilnehmerinnen von einer großen Menschenmenge, die sie auf ihrem Marsch bis zur Bezirkszentrale der DEM-Partei im Stadtteil Akdeniz begleitete.
„Der Weg zum Frieden führt über Imrali“
Am Zielpunkt der Demonstration wurden kurdische Tänze aufgeführt, Transparente aufgehängt und Grußbotschaften verlesen – unter anderem die von Abdullah Öcalan selbst an die TJA gesendete Message (ANF berichtete).
Eine besonders emotionale Botschaft kam von Figen Yüksekdağ, früher Ko-Vorsitzende der HDP und seit Ende 2016 inhaftiert. Sie würdigte die „kollektive Kraft der Frauen“, die mit der Demonstration ein deutliches Zeichen für Freiheit und Frieden setze. Der Schlüssel zu einer gerechten Lösung der kurdischen Frage in der Türkei und einem inklusiven Friedensprozess liege, so Yüksekdağ, weiterhin bei Abdullah Öcalan: „Der Weg zu einem dauerhaften Frieden führt über Imrali.“
Sie forderte, die Isolation Öcalans endlich zu beenden und seine Rolle in einem möglichen Friedensprozess offiziell anzuerkennen. „Öcalans Freiheit steht im Zentrum unseres Kampfes – nicht nur für ihn, sondern für alle politischen Gefangenen, für Frauen, junge Menschen und Minderheiten.“
„Demokratie braucht Raum“
Auch Neslihan Şedal, die gewählte, aber abgesetzte Ko-Bürgermeisterin der Großstadt Wan (Van), sprach vor den Versammelten. Sie betonte, dass der Marsch aus dem Herzen Kurdistans bis in die türkische Hauptstadt ein „symbolischer Weg für Dialog und Demokratie“ sei. „Unsere Forderungen sind klar“, sagte sie. „Die Politik braucht Räume – und der erste Schritt dorthin ist die Freilassung Abdullah Öcalans.“
Die kurdische Politikerin verwies zudem auf Öcalans Rolle in der Frauenbewegung. „Er hat uns die Ideologie der Frauenbefreiung ans Herz gelegt. Unsere Aufgabe ist es, sie in der Praxis umzusetzen – mit Organisation, Bildung und Widerstand.“
TJA: „Kommission muss mit Öcalan sprechen“
Die TJA-Aktivistin Eylem Sarıca unterstrich, dass es sich bei der Forderung nach Öcalans Freiheit nicht nur um die Freilassung einer Person handle, sondern um eine politische Grundsatzfrage. „Die physische Freiheit Abdullah Öcalans steht für eine ganze Philosophie – für einen Weg der gewaltfreien Lösung, der Gleichberechtigung und des friedlichen Zusammenlebens.“
Sarıca forderte, dass die im Parlament eingesetzte Kommission für eine politische Lösung schnellstmöglich Gespräche mit Öcalan aufnehmen müsse. „Der Weg zu einer demokratischen Lösung führt über Imrali“, sagte sie.
Fortsetzung des Marschs in Richtung Ankara
Die Organisatorinnen kündigten an, ihre Protestaktion am nächsten Tag in Richtung Ankara fortzusetzen. Ziel sei es, im politischen Zentrum des Landes konkrete Forderungen zu übermitteln – unter anderem zur Aufhebung der Isolationshaft, zur Anerkennung der Rechte kurdischer Bürgerinnen und Bürger sowie zur Förderung eines inklusiven demokratischen Dialogs.