Inmitten eines einseitigen Waffenstillstands 1998 drohte die Türkei mit Unterstützung der NATO Syrien mit Krieg und zwang Abdullah Öcalan, Syrien zu verlassen. Öcalan begab sich nach Europa, um eine politische Lösung der kurdischen Frage zu fördern. An diesem Tag begann die Odyssee Öcalans, die in seiner Verschleppung und Inhaftierung durch eine internationale Geheimdienstoperation mündete. Er kam am 9. Oktober 1998 aus Syrien in Athen an. Am 11. Oktober traf er in Moskau ein.
Am 20. Oktober unterzeichneten die Türkei, Syrien und der Libanon das Adana-Protokoll [Das Adana-Abkommen ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen der Türkei und Syrien, der das Verbot von PKK-Aktivitäten in Syrien regelt, Anm. d. Red.]. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Syrien „verbesserten sich rasch“.
Am 4. November beantragte die Duma, das Unterhaus der Russischen Föderation, mit 298 Ja-Stimmen und einer Nein-Stimme die Anerkennung des Asyls für Öcalan.
Am 12. November reiste Öcalan nach Rom, verließ jedoch am 16. Januar 1999 die italienische Hauptstadt, um nach Moskau zurückzufliegen, von wo aus er am 29. Januar nach Griechenland flog.
Die Entführung im Jahr 1999
Am 31. Januar versuchte Öcalan, nach Weißrussland und in die Niederlande zu reisen, doch keines der beiden Länder erlaubte ihm die Landung. Am 1. Februar kehrte er nach Athen zurück. Am 2. Februar brachten griechische Beamte Öcalan auf dem Weg nach Südafrika zur griechischen Botschaft in Nairobi.
Am 15. Februar 1999 wurde er jedoch in einer internationalen Geheimoperation aus Kenias Hauptstadt Nairobi entführt und in die Türkei gebracht.
Chronologie seit dem 15. Februar 1999
- 16. Februar: Ankunft auf der türkischen Insel Imrali, die von anderen Gefangenen geräumt und zur militärischen Sperrzone erklärt worden war.
- 25. Februar: Erstes Treffen mit Anwält:innen – kurz und nicht unter vier Augen.
- 2. März: Erster Besuch des Europäischen Komitees zur Verhütung von Folter (CPT).
- 11. März: Erstes privates Treffen mit Anwält:innen.
- 31. Mai: Beginn des Prozesses.
- 29. Juni: Todesurteil.
- 25. November: Das türkische Kassationsgericht bestätigt das Urteil gegen Öcalan.
- 30. November: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) fordert, das Todesurteil nicht zu vollstrecken.
Das Jahr 2001
- 6. September: Zweiter Besuch des CPT.
Das Jahr 2002
- 9. August: Das türkische Parlament schafft die Todesstrafe in Friedenszeiten ab.
- 3. Oktober: Öcalans Todesstrafe wird in lebenslange Haft ohne Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung umgewandelt.
Das Jahr 2003
- 16.-17. Februar: Dritter Besuch des CPT
- 12. März: Der EGMR entscheidet, dass Öcalan kein faires Verfahren erhalten hat.
Das Jahr 2005
- 12. Mai: Die Große Kammer des EGMR bestätigt das Urteil von 2003.
Das Jahr 2007
- 19.-22. Mai: Vierter Besuch des CPT.
Der Zeitraum 2008-2011
- Öcalan beteiligt sich an Friedensgesprächen mit Regierungsvertretern.
Das Jahr 2009
- 18. April: Zwei Anwälte von Öcalan werden verhaftet.
- 17. November: Öcalan wird zusammen mit fünf weiteren Häftlingen aus anderen Gefängnissen in das neu erbaute Gefängnis auf Imrali verlegt.
Das Jahr 2010
- 26.-27. Januar: Fünfter Besuch des CPT.
Das Jahr 2011
- 27. Juli: Letzter Besuch von Anwält:innen bis Mai 2019.
- 22. November: 42 Anwält:innen von Öcalan werden verhaftet und beschuldigt, Nachrichten an eine terroristische Organisation weitergegeben zu haben.
Das Jahr 2013
- 3. Januar: Öcalan trifft sich mit zwei führenden kurdischen Politiker:innen, Ahmet Türk und Ayla Akat – das erste von vielen Treffen mit Abgeordneten im Rahmen des Friedensprozesses, der bis 2015 andauerte.
- 16.-17. Januar: Sechster Besuch des CPT.
Das Jahr 2014
- 18. März: Der EGMR urteilt, dass Öcalans lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung seine Menschenrechte verletzt, ebenso wie seine Haftbedingungen bis 2009.
- 6. Oktober: Familienbesuche werden eingestellt.
Das Jahr 2015
- 16. März: Die fünf ebenfalls auf Imrali inhaftierten Gefangenen werden gegen fünf andere ausgetauscht.
- 5. April: Die Gespräche zwischen Öcalan und Abgeordneten der Demokratischen Partei der Völker (HDP) im Rahmen des Friedensprozesses werden eingestellt.
- Dezember: Zwei der fünf anderen Häftlinge werden in andere Gefängnisse verlegt.
Das Jahr 2016
- 28.-29. April: Siebter Besuch des CPT.
- 15. Juni: Putschversuch gegen Erdoğan, der als Vorwand für ein verstärktes Vorgehen gegen die gesamte Opposition dient.
- 11. September: Öcalan trifft seinen Bruder.
Das Jahr 2018
- 8. November: Leyla Güven tritt in einen Hungerstreik, um ein Ende der Isolation Öcalans zu fordern. Mit der Zeit schließen sich ihr über 8.000 Menschen an.
Das Jahr 2019
- 12. Januar: Öcalan trifft seinen Bruder.
- 2. Mai: Öcalan trifft seine Anwält:innen.
- 6.-17. Mai: Achter Besuch des CPT.
- 22. Mai: Öcalan trifft seine Anwält:innen.
- 26. Mai: Der Hungerstreik wird beendet.
- 12. und 18. Juni sowie 9. August: Öcalan trifft seine Anwält:innen.
Das Jahr 2020
- 27. Februar: Brand auf der Insel Imrali
- 3. März: Öcalan trifft seinen Bruder
- 27. April: Öcalan darf zum ersten Mal telefonieren
Das Jahr 2021
- 25. März: Nachdem Gerüchte über den Tod Öcalans weit verbreitete Ängste ausgelöst hatten, durfte er seinen Bruder anrufen – das Gespräch wurde jedoch nach weniger als vier Minuten unterbrochen.
Das Jahr 2022
- September, neunter Besuch des CPT. Der Bericht wird im März 2023 fertiggestellt sein.
Das Jahr 2023
Kurd:innen und ihre Verbündeten starteten am 10. Oktober 2023, einen Tag nach dem Jahrestag der internationalen Verschwörung, in 74 Städten in ganz Europa eine neue Kampagne unter dem Motto „Freiheit für Öcalan – eine politische Lösung für die kurdische Frage“. Zahlreiche Veranstaltungen fanden in der Türkei, in Europa und weltweit statt.
Das Jahr 2024
Am 28. Dezember traf eine Delegation der Partei der Völker für Gleichheit und Demokratie (DEM), bestehend aus der Abgeordneten Pervin Buldan aus Wan (tr. Van) und dem Abgeordneten Sırrı Süreyya Önder aus Istanbul, Abdullah Öcalan im Imrali-Gefängnis.
Das Jahr 2025
Am 27. Februar wird der von Abdullah Öcalan verfasste „Aufruf für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ der Weltöffentlichkeit vorgestellt.
Die Abschlusserklärung des 12. Kongresses der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), der vom 5. bis 7. Mai abgehalten wurde, wurde veröffentlicht. Der Kongress hatte beschloss, die Organisationsstruktur der PKK aufzulösen und den bewaffneten Kampf einzustellen, wodurch alle Aktivitäten der PKK effektiv beendet wurden.
Am 11. Juli hielt die PKK eine Zeremonie ab, bei der Guerillakämpfer:innen der „Gruppe für Frieden und demokratische Gesellschaft“ ihre Waffen verbrannten.