Frauendemonstration erreicht Adana: Tausende fordern Öcalans Freilassung

Der von der kurdischen Frauenbewegung TJA organisierte Protestmarsch „Mit Hoffnung in die Freiheit“ ist am vierten Tag in Adana angekommen. Tausende forderten die Freilassung von Abdullah Öcalan und ein Ende des Krieges.

Rufe nach Frieden und Freiheit

Der Protestmarsch unter dem Motto „Mit Hoffnung in die Freiheit“, organisiert von der kurdischen Frauenbewegung TJA, hat am Sonnabend die südtürkische Stadt Adana erreicht. Es ist der vierte Tag der überregionalen Demonstration, die am letzten Mittwoch in Amed (tr. Diyarbakır) gestartet ist und am 7. Oktober mit einer Abschlusskundgebung vor dem türkischen Parlament in Ankara enden soll.

Die Demonstrierenden wurden in Adana von einer großen Menschenmenge mit Fackeln, Blumen, Applaus und dem Ruf „Jin Jiyan Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit) empfangen. Viele zeigten vom Straßenrand und von Balkonen aus ihre Solidarität. Im Stadtteil Dağlıoğlu versammelten sich die Demonstrierenden zu einer Kundgebung, begleitet von kurdischer Musik und Tanz.

Gedenken an Nagihan Akarsel

Die abgesetzte Ko-Bürgermeisterin der kurdischen Großstadt Mêrdîn (Mardin), Devrim Demir (DEM) erklärte, der Marsch stehe für Einheit, Würde und die Hoffnung auf Veränderung. Sie verwies auf Abdullah Öcalans Friedensappell vom 27. Februar und sagte: „Frieden ist möglich – aber nur, wenn Abdullah Öcalan und alle politischen Gefangenen freigelassen werden und sprachliche Rechte anerkannt sind.“

Demir erinnerte auch an die Journalistin und Jineolojî-Forscherin Nagihan Akarsel, die am 4. Oktober 2022 in Südkurdistan im Auftrag des türkischen Geheimdienstes ermordet wurde. „Heute ist ihr Todestag. Wir tragen ihr Vermächtnis weiter. Wir Frauen fordern die Freiheit von Abdullah Öcalan“, so Demir.

Ein Marsch für Wahrheit und Würde

Die DEM-Abgeordnete Adalet Kaya erklärte in ihrer Rede, der Marsch sei mehr als nur eine politische Demonstration. „Es ist eine Suche nach Wahrheit und Freiheit“, sagte sie. „Seit vier Tagen laufen wir – nicht nur körperlich, sondern mit Hoffnung im Herzen und mit der Forderung nach demokratischer Lösung.“

Kaya verband den Protest mit einem Appell an die Öffentlichkeit: „Der Marsch steht für das Recht auf Hoffnung.“ Dieses Recht werde Tausenden Inhaftierten in der Türkei verweigert. „Doch Hoffnung ist ein Grundrecht – und ihre Verweigerung ist unmenschlich“, sagte sie. Deshalb, so Kaya, richte sich der Marsch auch „an die Würde der gesamten Gesellschaft“.

Ziel: Die physische Freiheit Öcalans

Die Demonstration von Amed nach Ankara will der Forderung nach Frieden, Gleichberechtigung und demokratischen Rechten öffentlich Gehör verschaffen. Ziel der TJA ist es, die physische Freiheit des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan als zentrale Voraussetzung für einen politischen Dialog in der Türkei auf die Tagesordnung zu setzen. Seine Freilassung und Gespräche mit der im türkischen Parlament eingerichteten „Kommission für nationale Solidarität, Geschwisterlichkeit und Demokratie“ seien Voraussetzung für eine demokratische Lösung der kurdischen Frage, hieß es im Aufruf der Demonstration.