Grabbesuch bei Nagihan Akarsel in Konya

Zum dritten Jahrestag ihrer Ermordung wurde der kurdischen Journalistin und Jineolojî-Forscherin Nagihan Akarsel an ihrem Grab in Konya gedacht. Aktivistinnen und Weggefährtinnen würdigten ihr Wirken für eine freie und bewusste Gesellschaft.

Gedenken zum dritten Todestag

Drei Jahre nach der Ermordung der kurdischen Autorin, Journalistin und Jineolojî-Forscherin Nagihan Akarsel ist in ihrem Heimatdorf Xelîkan (auch Xalîka Jêr, tr. Gölyazı) in der zentralanatolischen Provinz Konya ihrer gedacht worden. Akarsel war am 4. Oktober 2022 im südkurdischen Silêmanî erschossen worden – mit elf Schüssen aus der Waffe eines Auftragsmörders des türkischen Geheimdienstes.

An dem Grabbesuch bei Nagihan Akarsel nahmen unter anderem Vertreter:innen der Partei der Völker für Gleichheit und Demokratie (DEM), der Frauenbewegung TJA sowie des Demokratischen Kongresses der Völker (HDK) teil. Die Zeremonie begann mit einer Schweigeminute, begleitet von den Rufen „Jin, Jiyan, Azadî“ – Frau, Leben, Freiheit.

„Wir sind mit ihr aufgewacht“

Zeynep Yalçın, Mitglied der DEM-Frauenkoordination in Zentralanatolien, würdigte Akarsels Wirken mit eindringlichen Worten: „Sie wollten sicherstellen, dass sie stirbt – weil ihre Gedanken, ihr Kampf und ihr Leben gefährlich waren für jene, die Veränderung fürchten.“ Der Mord habe nicht nur Schmerz hinterlassen, sondern auch einen Weckruf ausgelöst: „Seitdem lesen wir ihre Texte, ihre Analysen – und wir führen ihren Kampf weiter.“

„Sie war der Inbegriff des Widerstands“

Die DEM-Abgeordnete Gülderen Varlı bezeichnete Akarsel als Symbolfigur der kurdischen Frauenbewegung. „Sie war der Widerstand selbst – mit ihrer Stimme, ihrer Analyse, ihrer Sprache“, sagte Varlı. Der Mord an Akarsel sei kein Einzelfall, sondern Teil einer historischen Kontinuität patriarchaler Gewalt: „Immer wieder wurden Frauen, die für Freiheit standen, durch gezielte Angriffe zum Schweigen gebracht. Doch Nagihan hat mit ihrem Wirken das Gegenteil erreicht.“

„Keine ihrer Spuren wird vergessen“

In ihrer Ansprache betonte Varlı, dass Akarsel nicht nur politische Analysen verfasste, sondern auch „die verschüttete Geschichte der Frauen“ niederschrieb. Ihre Vision sei ein freies Kurdistan und eine freie Türkei gewesen. „Sie hat uns viel hinterlassen – ihre Gedanken, ihre Haltung, ihre Sprache. Und wir versprechen ihr: Keine dieser Spuren wird verloren gehen. Weder ihr Stift, noch ihr Wort, noch ihr Bewusstsein.“

Auf dem Grabstein steht ein Zitat aus einem ihrer Texte: „Sagt ein Wort, durch das ich zu uns werde, damit das Leben gemeinsam ist und Freiheit allen gehört.“ Mit diesem Satz, so Varlı, bleibe das Vermächtnis von Nagihan Akarsel als Auftrag, ihre Arbeit fortzusetzen, lebendig.